Allgemein

EU: MEHR KONVENTIONELL, WENIGER BIO?

Um die Parisziele zu erreichen, sind Mineralölunternehmen in Europa verpflichtet, die Treibhausgasemissionen (THG-Emissionen) ihrer in Verkehr gebrachten Kraftstoffe zu reduzieren. Erreicht werden sollten diese Emissionsminderungen ursprünglich durch den Einsatz erneuerbarer Energien, die nach und nach die klimaschädlichen konventionellen Kraftstoffe ersetzen sollen.

Nun hat die EU für ab 2020 alternative Optionen zur Erfüllung der Minderungspflichten eingeführt: Upstream Emissions Reductions (UER) –  das sind Emissionsminderungen bei der Förderung von Erdöl als Rohstoff für Otto-, Flüssiggas- und Dieselkraftstoffe. Dazu zählen zum Beispiel Effizienzgewinne durch das Vermeiden des Abfackelns von Begleitgasen („Flaring“).

Die Klimawirkung von UER-Projekten für die europäische Union wird allerdings verschwindend gering ausfallen. Zum einen wird Erdöl nur zu einem marginalen Teil in Europa gefördert. Daher ist fraglich, inwiefern die erzielten Emissionseinsparungen, sofern sie außerhalb von Europa erzielt wurden, an europäische und nationale Ziele anrechenbar sein sollen. Hinzu kommt: Die Anrechnung von UER-Projekten steht dem Ausbau der Nutzung erneuerbarer und biogener Kraftstoffe entgegen. Denn: Ziel der THG-Quote bei ihrer Einführung war es schließlich, Emissionen durch den Einsatz nachhaltiger Kraftstoffe zu reduzieren und damit die europäischen Straßen zu dekarbonisieren. Wenn UER angerechnet werden können, müssen weniger Biokraftstoffe eingesetzt werden – und die Verkehrswende erfährt somit einen Rückschlag.

Zwar ist es lobenswert, dass Emissionsreduktionen auch bei der Erdölgewinnung gefördert werden. Doch sollten diese als zusätzliche Maßnahme gehandelt werden, um weitere Einsparungen zu erzielen. Nicht hingegen sollten sie Teil der Klimaziele des europäischen Verkehrs werden, wo es effektiv keine positiven Auswirkungen erzielt. Die Richtlinie 2015/652/EG und damit die Öffnung der Optionen zur Erreichung der THG-Reduktionen im Verkehr ist bis spätestens April 2017 in nationales Recht umzusetzen. Dabei lässt die EU den Mitgliedsstaaten einen gewissen Spielraum. Ob und inwiefern Deutschland UER als Option zur Anrechnung an die Klimaziele des Verkehrs annimmt, ist noch offen.

HINTERGRUND

In Deutschland werden diese EU-Richtlinien über das Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG) geregelt. Dazu hat die Bundesregierung seit diesem Jahr Treibhausgasminderungsquoten (THG-Quoten) festgelegt: Unternehmen der Mineralölwirtschaft sind verpflichtet, die THG-Emissionen der von ihnen in Verkehr gebrachten Kraftstoffe zu reduzieren: 2017 bis 2019 um 4 % und ab dem Jahr 2020 um 6 %.

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BIOMETHAN MIT GRENZEN? SCHWEDEN UNTERSAGT IMPORT VON GRÜNEM GAS

Anfang des Monats wies die schwedische Energieagentur Statens energiemyndighet die schwedische E.ON Biofor an, Änderungen in ihrem Nachhaltigkeitssystem vorzunehmen, sodass die Nachhaltigkeit von aus Deutschland importiertem Biomethan in Schweden nicht geltend gemacht werden konnte. Damit untersagt Schweden den Import von Biomethan und isoliert seinen Markt. E.ON kündigt eine Klage an.

Da Schweden jedoch bis dato ein nationales Massenbilanzsystem eingerichtet hatte, das faktisch auf das schwedische Gasnetz beschränkt war, wies die schwedische Energieagentur E.ON Biofor an, sicherzustellen, dass die Massenbilanz innerhalb des in den Vorschriften der Energieagentur festgelegten, „eindeutig abgegrenzten Bereichs […] ausgeglichen“ wird. Das hätte für E.ON zur Folge gehabt, dass das in Deutschland hergestellte und über das deutsche und dänische Gasnetz nach Schweden transportierte Gas nicht in das schwedische Massenbilanzsystem aufgenommen und Biomethan damit in Schweden nicht eingesetzt werden kann. Dadurch isoliert Schweden den eigenen Markt – und verletzt die Grundsätze des freien Handels innerhalb der EU. E.ON kündigte Klage vor dem Verwaltungsgericht in Schweden an.

WELCHE SIGNALE SENDET DIE SCHWEDISCHE ENERGIEAGENTUR?

Zudem ließ die Europäische Kommission bereits 2012 REDcert als Zertifizierungssystem für Biokraftstoffe für den europäischen Markt [LINK ZU ARTIKEL] zu. Mit der Einführung befürwortete die EU bereits einen gesamteuropäischen Handel von Biokraftstoffen. Die Entwicklungen in dem angekündigten Rechtsstreit werden  spannend zu beobachten sein, denn die Entscheidungen können die Richtung für die gesamte EU weisen.

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REDCERT EU: MEHR BIO FÜR EUROPÄISCHE ZAPFSÄULEN

Die EU-Kommission hat das Zertifizierungssystem REDcert zum Nachweis über die Nachhaltigkeitsanforderungen an Biokraftstoffe für den innereuropäischen Handel anerkannt.  Das eröffnet den Weg für einen barrierefreien, europäischen Markt für Biokraftstoffe wie Biomethan.

Im Biokraftstoffbereich ist eine Zertifizierung Voraussetzung für das Inverkehrbringen von Biomethan als Kraftstoff und seine Anrechnung an die Biokraftstoffquote. Zertifiziert werden Betriebsstätten der gesamten Wertschöpfungskette: vom Landwirt bis zum Nachweispflichtigen bzw. Anlagenbetreiber im Bioenergiebereich. Kriterien der Nachhaltigkeit reichen von Faktoren aus dem nachhaltigen Anbau von Biomasse über die Berücksichtigung von Natur- und Artenschutz bis hin zu Treibhausgasminderungen über die gesamte Herstellungs- und Lieferkette. Während der Produktion als auch während der Lieferkette muss das Prinzip der Massenbilanzierung nachverfolgbar sein.

HINTERGRUND

BIOMETHAN ALS KRAFTSTOFF

Das grüne Gas Biomethan ist chemisch identisch zu Erdgas – die Herkunft macht den Unterschied. Im Gegensatz zu fossilem Erdgas, durch dessen Förderung große Mengen CO2 aus den tieferliegenden Erdschichten freiwerden, wird bei Biomethan nur Energie genutzt, die ohnehin schon vorhanden ist: Biomethan entsteht durch die Vergärung von organischen Rest- und Abfallstoffen aus der Landwirtschaft oder der Biotonne in der Biogasanlage. Im zweiten Schritt wird das Gas gereinigt und somit auf die gleiche Beschaffenheit wie Erdgas aufbereitet. Damit können Erdgasautos ohne technische Änderungen problemlos auch Biomethan tanken. Mit Biomethan unterstützen Autofahrende zum einen eine Kreislaufwirtschaft, denn wir nutzen nur Energie, die in den Bioabfällen und Reststoffen schlummert. Damit wird kein weiteres klimaschädliches CO2 freigesetzt. Zum anderen entlastet es die Umwelt um Rußpartikel und Feinstaub. Die sind bei Biomethanautos nämlich unbedeutend gering. Außerdem stoßen Autos mit Biomethan im Tank 90 % weniger CO2 aus als ein Benziner.